Hinschauen und dankbar werden – Erntedank und Taufe

„Selten hat man es, dass man gleich zwei Feste miteinander begeht. Umso schöner, dass wir das heute einmal so erleben können“, beginnt Gemeindevorsteher Evangelist Andreas Fischer seine Predigt im Gottesdienst in Falkensee am Sonntag, dem 4. Oktober 2026.

Bereits vor dem Beginn des Erntedankgottesdienstes, in dem auch die kleine Ruby getauft werden soll, stimmen die musikalischen Beiträge des Gemeindechores und des Instrumentalkreises die Gemeinde auf diesen besonderen festlichen Rahmen ein. Und so erklingt laut, was den Gottesdienst bestimmen sollte, als ein Lob- und Danklied an Gott: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ (NGB 265). Ein Impuls, der auch durch den Bibeltext, der Grundlage des Gottesdienstes ist, ausgebaut wird. So heißt es in Psalm 19, 2: Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.

Der Gemeindevorsteher greift diese Worte auf und weist in seiner Predigt darauf hin, dass ein Blick auf das Erntedankfest nicht ohne einen Blick auf Gott, ohne die Wahrnehmung seiner Werke, möglich ist. Bereits ein Blick in den nächtlichen Sternenhimmel, auf die unendlichen Weiten der Weltmeere oder die Schönheit der Bergwelten lassen die von Gott geschaffenen Werke groß und den Menschen klein werden. Die Natur zeigt uns, dass es berechtigt ist, Gott zu ehren.
Manche Menschen sehen in der Bibel niedergeschriebenen Schöpfungsgeschichte einerseits und der von der modernen Wissenschaft herausgefundenen Entstehungsgeschichte der Erde andererseits einen Widerspruch, einen Gegensatz, bei dem man sich für eine Variante entscheiden müsse. „Ich kann mit beiden Erkenntnissen und Auffassungen gemeinsam zurechtkommen, wenn ich die Bibelüberlieferung der Schöpfungsgeschichte nicht als eine wissenschaftliche Abhandlung sehe, darüber, wie die Erde entstanden ist. Vielmehr soll damit der Blick darauf gelenkt werden, wer alles das geschaffen hat und in seinen Händen hält“, führt Evangelist Andreas Fischer weiter aus. Gott habe aus dem leblosen Chaos etwas Geordnetes, Funktionierendes, Lebendiges gemacht. Dies könne man vom Großen ins Kleine übersetzen und sicher sein, dass Gott auch in meinem Leben aus dem Chaos etwas Sinnvolles, Funktionierendes, Schönes entstehen lassen kann.
Dabei sollte man immer zwischen Schöpfer und Schöpfung unterscheiden, denn aus der Schöpfungsgeschichte kann man ableiten, dass nicht die Natur göttlich ist, sondern etwas von Gott Geschaffenes sei. Dies könne man sich vorstellen wie in einem Museum mit wertvollen alten Bildern bedeutender Künstler. „Wer würde dort hingehen und sagen: Wie schön sich dieses Bild gemalt hat? Nein, jeder weiß, dass dem Künstler die Ehre für das Bild gebührt. Genauso sollten wir es mit der Schöpfung halten. Das Schöne sehen und Gott die Ehre geben. Selbst die Natur macht das so“, so der Gemeindevorsteher mit Blick auf den Bibeltext aus Psalm 19, 2.
Als Gott die Schöpfung erschaffen hatte, hat er den Menschen gemacht und am Ende als sehr gut befunden (vgl. 1. Mose 1, 31). Dies gelte bis heute, bei aller Schwäche der Menschen, die sich und der Schöpfung nur allzu oft Leid angetan haben. Jeder könne sich als Mensch von Gott geliebt, gewollt, gesehen und geschaffen betrachten. „Du bist genauso, wie Gott dich haben wollte!“
Wenn man dies alles überdenke, komme man aus dem Staunen nicht mehr heraus, so Evangelist Andreas Fischer weiter. Und aus dem Staunen werde Dankbarkeit, wenn man über Gott, seine Liebe, seiner Hände Werk nachdenke. Und dies mache den Weg frei für Nachsicht und Toleranz, denn auch mein Nächster ist das Werk Gottes, auch ihm ist alles das bereitet worden, was uns umgibt.
Aus der Dankbarkeit komme die Wertschätzung für die natürliche Schöpfung fast automatisch. „Der Umgang mit dem, was Gott uns bereitet hat, kann bei einer dankbaren Herzenshaltung gar nicht anders als respekt- und verantwortungsvoll sein, damit auch kommende Generationen etwas davon haben“, betont der Gemeindevorsteher.
Diesem Gott, von dem die Schöpfung erzählt, kann man sein Leben beruhigt anvertrauen. Dies gelte auch für den Täufling Ruby, die heute in den Kreis derer, die Jesus Christus nachfolgen, aufgenommen werde.
Der berühmte Sänger Elvis Presley habe in dem Lied „You were always on my mind“ darüber gesungen, dass er seiner verflossenen Liebe seine Wertschätzung leider nicht ausreichend gezeigt, aber doch wenigstens stets an sie gedacht habe. „Lasst Gott nicht nur  in unseren Gedanken sein, sondern ihm danken, auch in unseren Taten. Überlassen wir es nicht Himmel und Erde, Gott zu ehren, sondern loben auch wir ihn täglich, es ist wahrhaftig berechtigt.“

Priester Martin Schulze geht in seinem Predigtbeitrag darauf ein, wie schön und reich der Altar geschmückt ist und welche Vielfalt der Natur dort zum Ausdruck kommen würde. Das, was am Ende geerntet wurde, sei in der Unsichtbarkeit, im Kleinen und Unscheinbaren entstanden und erst nach und nach groß geworden. Vielleicht sehen wir im Leben manches noch nicht, was bereits im Entstehen ist. Können wir Gott vertrauen, dass er auch in unserem Leben aus den kleinen, fast unsichtbaren Dingen noch Großes werden lassen kann, fragt der Priester die versammelte Gemeinde. Gott sei der verlässlichste Partner, den wir uns im Leben wünschen können, denn er lässt uns nicht allein, er ist immer bereit, uns zu vergeben und uns das Gute zu geben, ohne dass wir es uns verdienen müssen.

Unter dem Chorlied „Der Heiland sorgt für dich“ treten dann die Eltern mit Ruby auf dem Arm und mit dem großen Bruder Carlo vor den Altar, um Ruby das Sakrament der Heiligen Wassertaufe empfangen zu lassen. Evangelist Andreas Fischer äußert die Freude darüber, sie wieder einmal vor dem Altar begrüßen zu dürfen, denn dies sei nach der Hochzeit der Eltern und der Taufe von Carlo nun schon das dritte Mal, dass man dort zusammenkomme. Die Handlung stellt er unter den Bibeltext aus Psalm 139, 14: „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“
„Jeder Mensch ist wunderbar gemacht, wie großartig ist das? Auch eure Ruby! Bitte lasst sie das jeden Tag spüren und erleben, auch wenn es einmal nicht so harmonisch und einfach ist, wie es jetzt vielleicht noch ist. Lasst sie jederzeit eure Liebe zu ihr wahrnehmen“, spricht der Gemeindevorsteher die Eltern an. Er wisse, dass er damit eine offene Tür einrenne, weil sie dies ja bereits machen würden und zitiert danach den Kirchenvater Augustinus von Hippo, dem der Satz: Liebe und tue, was du willst, zugeschrieben wird. Mit der Liebe werde alles, was man tue, noch einmal ein bisschen besser.
Danach geht der Gemeindevorsteher noch auf den zweiten Teil des Bibeltextes ein und führt dazu aus, dass Ruby von den Eltern lernen solle, dass sie von Gott gemacht sei und sie in Gottes Augen etwas ganz Besonderes sei. Dann spricht er die kleine Ruby noch einmal ganz persönlich an und lässt sie wissen: „Ruby, du bist wunderbar gemacht, Gott liebt dich, du bist kein Zufall, du bist gewollt und genauso gedacht, wie du bist!“ Nach dem Versprechen der Eltern, Ruby im Glauben zu erziehen und ihr Gott nahe zu bringen, spendet der Evangelist der kleinen Ruby das Sakrament der Heiligen Wassertaufe, was diese klaglos und aufmerksam mitverfolgt.
Nach der Sakramentsspendung erhält Ruby ein Begrüßungsgeschenk aus der Hand ihres großen Bruders, bestehend aus einem Teil zur künftigen Anwendung (Kinderliederbuch) und einem zur sofortigen Anwendung (Kuschelkissen).

Nach der Feier des Heiligen Abendmahls endet der besondere Gottesdienst mit dem Lied „Asanta sana Jesu“ (Vielen Dank, Jesus) des Kinderchores, der dann noch mit einem reichhaltigen Buffet im Foyer eine gemeinschaftliche Fortsetzung findet.