Die kurzfristige Einladung an unsere Glaubensgeschwister aus der Gemeinde Nauen füllt auch noch die letzten Plätze der Kirche, so dass der Apostel, begleitet von insgesamt 17 priesterlichen Ämtern, durch vollbesetzte Reihen zum Altar schreitet. Zuvor haben musikalische Beiträge, unter anderem unseres Jugendchores, die Gemeinde bereits auf den Gottesdienst eingestimmt. Der Apostel stellt den Gottesdienst unter den Bibeltext aus Johannes 15, 3.4 („Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch“).
Nachdem er seine Freude, heute in Falkensee sein zu können, Ausdruck verliehen hat, geht Apostel Kasper in seiner Predigt auf das zuvor gesungene Chorlied („Jesus will dir heut‘ begegnen, komm doch zu ihm!“) und die darin enthaltene Einladung an jeden Einzelnen ein. Er verbindet die Einladung des Gottessohnes mit dem im Foyer der Kirche angebrachten Spruch „Komm wie du bist“ und verweist darauf, dass Jesus nicht Voraussetzungen schafft, unter denen eine Begegnung mit ihm erfolgt. Er fragt nicht nach dem Verhalten der Vergangenheit und ob man fehlerfrei geblieben ist, sondern lädt jeden ein zu kommen, so wie man nun mal ist. „Es ist eigentlich ein Wunder, dass Jesus uns begegnet, denn er kommt zu unfertigen, unperfekten Menschen und hat Gemeinschaft mit uns einfach, weil er es so will.“ Jesus sei auch in eine Zeit hineingeboren, die man nicht als perfekten Zeitpunkt für sein Erscheinen ansehen könnte. Wäre er später gekommen, hätte das Volk Israel nicht mehr unter den Römern gelitten. Wäre er deutlich später gekommen, könnte er moderne Technik zu Verbreitung seiner Worte nutzen. Aber dies alles ist nicht passiert, einfach, weil Gott den Zeitpunkt für richtig befunden hat. Deshalb ist auch jetzt der richtige Zeitpunkt, Begegnung mit Jesus zu haben, weil Jesus ihn für richtig befindet, so der Apostel in seinem Dienen.
Dann geht er auf den Bibeltext ein, dessen Aussage im Grunde die Fortsetzung des Grundgedankens aus den beiden davorliegenden Versen darstellt: Jesus stellt Gott als den Weingärtner und sich selbst als Weinstock vor. Das Bild des Weines war für die Jünger damals kein fremdes Bild, denn Wein und Weinanbau hat in Israel eine große Rolle gespielt. An verschiedensten Stellen wird in der Bibel immer wieder das Bild des Weinanbaus und des Weines selber thematisiert. So auch im Buch des Propheten Jesaja, in dem das Bild eines misslungenen Weinanbaus angesprochen wird und die Zerschlagung des Weinbergs angekündigt wird (vgl. Jesaja 5, 1-7). Apostel Helmut Kasper bezieht dieses Bild in unsere Gegenwart. Vielleicht suchen wir heute manchmal auch Früchte, also etwas Tolles und Besonderes, und müssen feststellen, dass das, was wir für eine süße Frucht gehalten haben, in Wirklichkeit gar nicht so reif und wohlschmeckend ist. Aufgrund unseres Menschseins können manche „Früchte“ gar nicht recht entstehen, deshalb hat Gott seinen Sohn in die Welt gesandt und als „Weinstock“ gegeben. Damit die rechten Früchte entstehen können.
Und Jesus verrät, wie Früchte entstehen können: „Bleibt in mir und ich bleibe in euch!“ Dies ist die kürzeste Aufgabenliste, die man sich als Mensch vorstellen kann. Tut das und ihr werdet Früchte bringen, so der Apostel an die Gemeinde. „Das ist die Grundlage für unser Wachstum. Ihr könnt zu Gott gehen und ihm sagen: Ich glaube, dass du etwas aus mir machen kannst! Auch wenn wir da und dort an uns noch Unschönes und Unvollkommenes feststellen. Klagen wir Gott nicht an, dass er uns so gemacht hat, sondern loben und danken wir ihm, dass er etwas aus uns machen wird. Und bleiben wir in Jesus!“
Danach wird die Reinheit thematisiert, von der es im Bibeltext heißt und darauf verwiesen, dass zu damaliger Zeit die kultische Reinigung vor Betreten des Tempels eine besondere Bedeutung hatte. Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Ihr seid bereits rein, nicht, weil ihr so gute Menschen seid und so vollkommen, sondern weil ich es euch sage.“ So spricht er auch mit uns heute. Das, was von Gott ausgeht, schenkt Reinheit. Und das Einzige, was dafür nötig ist, ist das, was der Stammapostel kürzlich als kleinste denkbar Aktivität bezeichnet hat: Bleibe in Jesus. „Gehe nicht weg, wenn du bei ihm bist. Denke nicht, du musst noch was Besonderes leisten. Bleibe bitte einfach bei ihm! Das sichert dir die Entstehung von Frucht.“ Keiner von uns müsse oder könne alle denkbaren Früchte entwickeln. Daher sei die Vielfalt der Gemeinde so wichtig und bedeutsam. „Es braucht dich und deine persönlichen Früchte, damit die Gemeinde vollständig ist. Ohne dich ist es nicht vollkommen!“
Nicht alles, was bei uns wächst, sind gute Früchte, führt der Apostel weiter aus, denn wir sind Menschen. Doch Gott ist der Weingärtner, der es sieht und da und dort Korrekturen vornimmt, er arbeitet an einem jeden Einzelnen, wie ein Weingärtner es mit seinen Reben auch macht. „Lassen wir das zu, dass dies geschieht, bleiben wir im Vertrauen darauf, dass Gott die bestmöglichen Früchte an uns entwickeln lassen möchte. Und damit es uns leichter fällt, in Jesus Christus zu bleiben, bleibt er auch in uns.“
In einem Predigtbeitrag geht Priester Stefan Dobrialski, der Vorsteher der Gemeinde Brieselang, auf einen Aspekt im Zusammenhang mit dem Weinanbau ein: Es gebe ein Gerät, mit dem man bereits bei der entstehenden Frucht den Reifegrad feststellen kann, man weiß dann bereits früh um die Beschaffenheit und die Süße der Traube. Jeder könne und sollte sich prüfen, wie es mit den Früchten, die Gott in uns anlege, aussieht. Er ermunterte die Gemeinde, sich bereitwillig der Pflege Gottes zu stellen und sie zuzulassen.
In einer weiteren Mitpredigt berichtet der Vorsteher der Gemeinde Nauen, Priester Thomas Kadler, dass er selbst bei sich zuhause zwei Reben an einem Weinstock feststellen konnte, was Freude ausgelöst habe. Eine Rebe habe er geerntet und bei der anderen noch gewartet. Nun musste er gerade heute feststellen, dass die zweite Rebe von Tieren abgeerntet worden war, es waren nur noch die Kerne vorhanden. Er verweist darauf, dass wir manchmal Früchte wie Glaubensüberzeugung und Begeisterung für Gott an uns tragen und es leider viel zu schnell passieren kann, dass diese Früchte von Enttäuschungen, Zweifeln und Ärger zerstört werden. Das Gegenrezept besteht darin, was in einem Chorlied zum Ausdruck kommt. „Nur fester dich (Jesus Christus, d. Red.) umfassen und ewig bleiben dein“, dies sichere die Früchte vor Raub und Zerstörung.
Im Anschluss an den Predigtteil des Gottesdienstes folgt noch ein besonderer Augenblick, denn mit Ella und Lina sowie der kürzlich in die Gemeinde aufgenommen Rosemarie treten drei Personen vor den Altar, um den Heiligen Geist durch Gebet und Handauflegung eines Apostels zu erhalten. Der Jugendchor hatte diese Handlung zuvor mit einem Liebeslied Gottes an die drei eingeleitet. „Ich hab‘ dich je und je geliebt“, klingt es wunderschön durch das Kirchenschiff. Apostel Helmut Kasper verweist in seiner Ansprache auf die Liebe von Eltern zu ihren Kindern, die völlig unabhängig vom Verhalten der Kinder ist. „Ihr schließt nicht die Tür zu und sagt zu den Kindern, ihr kommt nicht rein, weil mir euer Verhalten nicht gefallen hat.“ Genauso der Gedanke Gottes, er lässt uns immer zu sich, er bietet und öffnet uns unser Zuhause, gleich wie wir uns verhalten haben, auch ihm gegenüber. Bezugnehmend auf die Eltern der Kinder verweist der Apostel darauf, dass mit der Heiligen Versiegelung den Eltern die Kinder nicht weggenommen werden. „Aber Gott sagt: Es sind jetzt auch meine Kinder!“ Diese Zusage gilt für ewig, so wie auch Eltern nicht nach 10 Jahren sagen können: Du bist ja gar nicht mein Kind! Die Zusage und Treue Gottes dürfen wir mit in unser Leben nehmen, wir sind und bleiben Gottes Kinder! Noch eine weitere Zusage gibt er an die drei: „Seid gewiss, wenn ihr mit Gott redet, dann hört er auf euch. Ihr seid seine Kinder, er hört immer zu.“ Im Anschluss spendet der Apostel den Heiligen Geist im Namen des dreieinigen Gottes.
Nach der Feier des Heiligen Abendmahls endet der Gottesdienst und wird bei einem Buffet und Getränken mit manchen Gesprächen fortgesetzt.
Wir heißen unsere drei neuen Glaubensgeschwister in unserer Gemeinde herzlich willkommen und wünschen ihnen für ihr Glaubensleben alles Gute und Gottes Segen.
Neuapostolische Kirche