Ein gut gefülltes Kirchenschiff, eine freudige und erwartungsvolle Gemeinde, die durch Musik bereits vor Beginn des Gottesdienstes in eine festliche Atmosphäre hineinversetzt wurde. Alles ist vorbereitet auf den Moment, in dem Lina und Ella getauft werden sollen. Bereits im Eingangsgebet dankt der Gemeindevorsteher, Evangelist Andreas Fischer, dem dreieinigen Gott, dass er einen jeden Menschen liebhat und das Geschenk des Lebens bereitet wurde. Ein Bild, das sich sowohl auf das natürliche Leben als auch auf das, was durch die Taufe besiegelt werden soll, beziehen lässt.
Der Gottesdienst steht unter dem Leitgedanken aus dem Matthäusevangelium 6, aus 10: „Dein Reich komme.“ Evangelist Andreas Fischer führt dazu aus, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, wie Menschen auf Gott zugehen können. Manche kommen mit Lob, manche mit Dank, andere mit Bitten oder Wut, mit Traurigkeit oder sogar Ablehnung. „Du kannst zu Gott kommen, wie du bist“, sagt der Gemeindevorsteher, „nur mit einer Haltung solltest du nicht auf Gott zugehen: Mit Gleichgültigkeit!“ Unser Heiland Jesus Christus hat selbst seiner Verzweiflung Ausdruck verliehen, als er am Kreuz ausrief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (vgl. Markus 15,34). Dies sei einerseits Anklage gewesen aber andererseits auch Bekenntnis: Es gibt Gott, auch wenn man ihn gerade nicht so wahrnimmt, wie man es sich wünscht. „Er ist da, immer! Bitte nehmt das mit in euer Leben!“, so der Evangelist weiter.
Auf das Bibelwort bezogen weist Evangelist Andreas Fischer darauf hin, dass Jesus seinen Jüngern, und damit auch uns, deutlich gemacht hat, wie man zu Gott beten soll. „Dein Reich komme“ ist eine der vielen Bitten aus dem „Unser Vater“. Das Bitten in Gebeten ist ein dauerhafter Bestandteil, selbst wenn im Laufe des Glaubenslebens immer mehr Erkenntnis darüber entsteht, dass es genügend Gründe gäbe, Gott nur noch zu danken und zu loben. „Fühl dich frei, Gott zu bitten, denn auch damit zeigst du, dass du verstanden hast, dass es Gott gibt. Er ist da, der, an den du dich wenden kannst und dem du vertraust.“
Der Begriff des „Reiches Gottes“ wird nirgendwo in der Bibel erläutert, denn für die Menschen in biblischer Zeit sei es klar gewesen, was damit gemeint war. Im jüdischen Glauben sei aus der Zeit der babylonischen Gefangenschaft eine in die Zukunft gerichtete Hoffnung in die Gemeinschaft der Gläubigen hineingelegt worden. Es kommt die Zeit, in der die Herrschaft Gottes sichtbar und erlebbar sein wird: Die Gefangenschaft in Babylon ist nicht das Ende, sondern der Beginn von etwas Besserem, eben der Erwartung des Reiches Gottes. „Und Jesus kommt zu den Menschen und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist nahe, es ist in mir begonnen. Er machte das Reich Gottes zum Kern seiner Verkündigung, keiner zuvor hatte den Mut und das Recht, dieses Reich Gottes als begonnen zu bezeichnen, außer Jesus, der Sohn Gottes.“, führt der Gemeindevorsteher weiter aus.
Das Reich Gottes unterscheide sich wesentlich von den Reichen dieser Welt. Dort herrschen Ungerechtigkeiten, Gewalt, das Recht des Stärkeren. Es gilt jemand, wenn er etwas hat. Wie anders doch das Reich Gottes: Dort herrscht Gott in seiner Gerechtigkeit und gibt dir Würde, wie auch immer du bist. Dort herrscht die Liebe Gottes zu dir - ganz ohne eigene Verdienste - und Vergebung, Verständnis und Demut. „Und wenn du dich fragst: Wo ist denn dieses Reich? Ich schaue in die Zeitung oder ins Fernsehen und sehe nichts davon! Dann suchst du an der falschen Stelle. Schau mal bei dir selbst nach, es ist in dir. Wenn du dein Herz weit machst, wenn du Gottes Segen annimmst, das Evangelium Jesu Christi befolgst, dann merkst du, dass da was in dir entsteht.“ sagt Evangelist Andreas Fischer in seiner Predigt.
„Das Reich Gottes ist ein in die Zukunft ausgerichtetes Reich. Es geht nicht darum, die Welt perfekt zu machen, damit hier alles so ist, wie man es sich wünscht. Es geht darum, dass Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde entstehen lassen wird, in der seine Herrschaft in Vollkommenheit von Anfang bis in Ewigkeit besteht. Dann ist die Sehnsucht der wartenden Gemeinde erfüllt.“ so der Evangelist zum Abschluss seines Dienens.
Priester Freddy Schulze, der im Anschluss um einen Predigtbeitrag gebeten wurde, legt den Fokus auf das Bauen des Reiches Gottes in uns. Er verweist darauf, dass wir genau wissen, wie das Reich Gottes in uns wachsen kann, weil Jesus Christus es uns gezeigt und vorgemacht hat. „Seine Feinde zu lieben, jedem zu vergeben, gut zum Nächsten zu sein, ohne Vorbehalte oder Vorurteile, das ist Anspruch an unser Handeln. Aber wir erleben es auch immer wieder, dass wir selbst in den Genuss dieser Wohltaten Gottes kommen.“
Im weiteren Verlauf des Gottesdienstes folgt die Spendung des Sakraments der heiligen Wassertaufe. Diese Handlung wird eingeleitet durch das Lied „Vergiss es nie“, vorgetragen durch unsere Glaubensgeschwistern Nadine (Klavier) und Florian (Gesang), in dem den Täuflingen deutlich vermittelt wird, dass sie von Gott gemacht und richtig sind: „Vergiss es nie, dass du bist, war nicht die eigene Idee“, so klingt es durch das Kirchenschiff. Im Refrain heißt es dann immer wieder: „Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur. Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu – Du bist du!“
Danach treten unsere Glaubensschwester Luisa mit ihren Kindern Lina und Ella vor den Altar, flankiert von der Tochter Hannah und dem Vater der beiden Täuflinge. Evangelist Andreas Fischer begrüßt sie alle herzlich und bringt noch einmal zum Ausdruck, dass das gerade verklungene Lied für die Täuflinge und die Familie insgesamt ganz persönlich gesungen wurde. „Du bist ein Gedanke Gottes, du bist von Gott wahrgenommen und angesprochen.“ In der weiteren Ansprache erzählt der Evangelist eine Geschichte von Fischen, die gehört haben, dass ihr Leben von Wasser abhängen würde, aber gar nicht wissen würden, was Wasser überhaupt sei. Darum ziehen sie zu einem weisen Fisch und bitten ihn, ihnen Wasser zu zeigen. Dieser weise Fisch sagt dann: „Im Wasser lebt ihr und bewegt ihr euch, aus dem Wasser heraus seid ihr geworden und dorthin kehrt ihr auch wieder zurück. Ihr lebt im Wasser, aber ihr wisst es nicht!“ Genauso ist es beim Menschen in Bezug auf Gott, so der Evangelist weiter: „Gott ist in allen Dingen und alle Dinge sind in Gott, und doch fragt der Mensch: Kann es Gott geben?“ Die Lehre aus der Geschichte sei die Erkenntnis, dass Gott überall ist, man muss ihn eigentlich gar nicht suchen, er ist bereits da. Danach geht der Gemeindeevangelist auf eine Begebenheit ein, von der die Bibel berichtet. Da war Jesus Christus bei einer großen Menge von Menschen, die alle etwas von ihm wollten. Da waren auch Kinder dabei und die Jünger haben die Kinder von Jesus ferngehalten. Die Bibelübersetzung (vgl. Markus 10, 13.14) sagt dazu: Jesus wurde „unwillig“ über das Verhalten der Jünger. Eigentlich sagt der Urtext an dieser Stelle aber: Jesus "verlor die Fassung" über das Verhalten der Jünger! „Wie schön ist es, dass wir heute das tun und erleben, was Jesus so wichtig war, nämlich, dass auch die Kinder zu ihm kommen. In Jesus habt ihr einen Freund für euer ganzes Leben“, so Evangelist Andreas Fischer, an Lina und Ella gerichtet, weiter. Anschließend spricht er in besonderer Weise die Eltern der Kinder an und legt ihnen die Verantwortung und die Sorge um die seelische Entwicklung noch einmal besonders ans Herz. „Kümmert euch darum, wie ihr euch auch um das leibliche Wohl eurer Kinder kümmert.“ Daraufhin spendet er Lina und Ella das Sakrament der Heiligen Wassertaufe.
Nach dem im Anschluss gemeinsam gefeierten Heiligen Abendmahl, dem Schlussgebet und den Schlusssegen bittet der Evangelist noch um ein wenig Geduld, da noch etwas Weiteres ansteht, was heute passieren soll.
Er bittet dazu die bisherigen Musikverantwortlichen der Gemeinde, Diakon Lukas Schulze und Diakon i.R. Bernd Metlitzky vor den Altar. Evangelist Stefan Lehmann übernimmt die nun anstehende Aufgabe, die beiden aus ihrer Verantwortung heraus zu verabschieden.
Diakon i.R. Bernd Metlitzky hat seit 1978 in der Gemeinde Falkensee die musikalische Leitung innegehabt. Viele Musikprojekte, Chorbildungen, besondere Konzerte und alltägliche Aufgaben seien mit dieser Aufgabe verbunden gewesen. Evangelist Lehmann erinnert an so manche persönliche Erfahrung und bringt seinen herzlichen Dank für alle geleistete Arbeit und die Liebe, mit der er dieser Aufgabe nachgekommen ist, stellvertretend für die ganze Gemeinde zum Ausdruck.
Diakon Lukas Schulze hat die Aufgabe der Musikleitung im September 2019 mit der Neugründung der Gemeinde übernommen. Seine außergewöhnlichen musikalischen Begabungen, ob Chorleitung oder an der Orgel, haben der neugegründeten Gemeinde viele Impulse vermittelt und Neues erlernen lassen. Seine beruflichen Verpflichtungen lassen jedoch die weitere Aufgabenwahrnehmung nicht mehr zu, so dass auch er aus der Aufgabe heraus verabschiedet wird. Auch ihm wird die Dankbarkeit der ganzen Gemeinde ins Herz gelegt. Unter langanhaltendem Applaus der Anwesenden wird den beiden jeweils ein Blumenstrauß und Abschiedsgeschenke aus dem Chor heraus übergeben.
Die entstandene Lücke muss natürlich geschlossen werden, denn ohne eine Chorleitung geht es nicht. Und so bittet der Gemeindevorsteher direkt im Anschluss Diakonin Steffi Schulze, Schwester Jule Hahne und Priester Christian Baumgart nach vorne. Mit herzlichen Worten übergibt er die Verantwortung für die Fortführung der Musikarbeit der Gemeinde an die drei Geschwister. Wie schön, dass wir über so eine Vielzahl an talentierten Menschen verfügen, so dass die Arbeit nahtlos weitergeführt werden kann. Den neu Ernannten wünschen wir alles Gute für die anstehenden Aufgaben.
Im Anschluss geht es für ca. 75 Glaubensgeschwister der Gemeinde noch zum gemeinsamen Mittagessen ins nahegelegene Restaurant "Ong Tam". Wie bereits im letzten Jahr hatte das Gemeindegremium die Organisation übernommen und dazu eingeladen. Bei strahlendem Sonnenschein konnte der Vormittag so in herzlichem Zusammensein mit leckerem Speis und Trank ausklingen.
Was für ein ereignisreicher Tag für die Gemeinde Falkensee! Aber dies ist erst der Anfang eine Serie von besonderen Gottesdiensten in den kommenden Wochen, über die wir natürlich hier berichten werden.
Neuapostolische Kirche