„Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat, aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen.“ (Apostelgeschichte 1, 7-9)
Die Himmelfahrt Jesu markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des Glaubens. Nach seiner Auferstehung an Ostern begegnete der Auferstandene seinen Jüngern vierzig Tage lang. Immer wieder stärkte er ihren Glauben und öffnete ihnen das Verständnis für die Schrift und den Heilsplan Gottes. Doch dann geschieht etwas, das die Jünger nicht erwartet hatten: Jesus entzieht sich ihren Augen und wird in den Himmel aufgenommen.
Für die Jünger war das ein herber Verlust, aber auch der Beginn eines Auftrags. Ihr Trost war, was zwei Engel zu ihnen sagten: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.“ (Apostelgeschichte 1, 11). Damit wurde die Himmelfahrt zu einer doppelten Botschaft: Jesus regiert – und: Jesus kommt wieder.
Als Christen leben wir seitdem in dieser Spannung: Zwischen Gegenwart und Zukunft, zwischen Auftrag und Erwartung. Die Himmelfahrt ruft uns durch unseren Auftrag, Zeugen zu sein, in die Welt hinein, aber sie richtet unseren Blick zugleich über die Welt hinaus. Sie erinnert uns daran, dass unsere Hoffnung nicht in menschlichen Lösungen liegt, sondern in dem König, der wiederkommen wird, um alles neu zu machen.
Warten bedeutet im christlichen Sinn nie Passivität. Es ist ein aktives, wachsames, hoffnungsvolles Sein. Der Himmelfahrtstag lädt dazu ein, drei Dinge neu zu bedenken:
- Lebe mit erhobenem Blick: Deine Hoffnung ist nicht an das Sichtbare gebunden. Christus regiert – auch wenn die Welt chaotisch wirkt.
- Lebe mit klarem Auftrag: Die Jünger blieben nach der Himmelfahrt nicht stehen und starrten in den Himmel. Sie gingen los. Auch du bist gesandt: zu lieben, zu dienen und zu bezeugen.
- Lebe mit lebendiger Erwartung: Jesu Wiederkunft ist keine ferne Idee, sondern eine lebendige Hoffnung und Naherwartung. Damit verändert sie, wie du heute Entscheidungen triffst, wie du mit Menschen umgehst und wie du Herausforderungen trägst.
Wir wünschen einen gesegneten Himmelfahrtstag!
Neuapostolische Kirche