Andacht am Karsamstag

Vom Stillstand, dem Dazwischen und aufkeimender Hoffnung

Auf Einladung fünf junger Geschwister begeben wir uns zu 18 Uhr in unsere Kirche zu einer Andacht am Karsamstag. Der Gottesdienst am gestrigen Karfreitag, den wir in einer Übertragung aus Berlin-Charlottenburg mit unserem Bezirksapostel David Heynes erlebt haben, liegt eindrücklich hinter uns. Ein stiller Tag, an dem wir des Leidens und Sterbens unseres Heilands gedacht haben. Schon wissend, dass Ostern nicht mehr fern ist. Doch heute ist der Samstag, der Tag zwischen Tod und Auferstehung – die Andacht gibt Gelegenheit zum Stillstand, zum Innehalten, zum Nachspüren und zum Bewusstmachen. Hast du überhaupt begriffen, was geschah?

Mit der ersten Strophe des Liedes „O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn“ von Paul Gerhardt, stimmt das Quartett die Zuhörer ein. „Gegrüßest seist du mir!" endet die Strophe und klingt noch nach, als die zweite Strophe nur gesummt vorgetragen wird.

Dann heißt uns Nadine, eine der Durchführenden, herzlich willkommen und erklärt, wofür die kleinen Zettelchen, die an an jedem Platz ausliegen, gedacht sind. Nadine, die das erste Lied und auch alle weiteren Beiträge am Klavier begleitet, lädt zum Gebet ein und bittet darin besonders Jesus um sein Nahesein.

Unser junger Bruder Florian legt in seinem Wortbeitrag einen Impuls in die Versammlung:
„Gestern – Karfreitag. 

Wir haben gehört, gesehen, vielleicht gespürt, was dort geschehen ist:
Jesus, ans Kreuz geschlagen, verspottet, verlassen.
Die Erde bebte, der Vorhang im Tempel zerriss – ein Moment, in dem selbst der Himmel still wurde!
Und mitten in dieser Dunkelheit die Frage: Gott, bist du noch da?“

Diese Frage wird auch in dem nachfolgenden Lied gestellt und damit noch einmal bewusst gemacht. Drängend, suchend. „Hörst du nicht mein Rufen?“

Mit ruhiger Stimme trägt unsere Diakonin Josi ihre Gedanken zum Karsamstag vor, dem Tag, der zwischen dem Schrecken des Todes und dem Morgen der Hoffnung liegt. Ein Tag des Stillstands. Zwischen Zweifel und Vertrauen. Wenig berichtet die Bibel über diesen Tag. Und doch ist er wichtig, denn er ist Vorbereitung auf das unfassbare Ereignis, die Auferstehung Jesu. Alles ändert sich damit. Und doch - „Glaube ist nicht immer klar und fest“, führt Josi weiter aus.

Noch einmal lauschen wir dem Gesang. Es wird das Lied „Du bist nur ein Gebet von mir entfernt“ vorgetragen – hoffnungsfroh, Vertrauen stiftend.

Dann Stille!

Endlos! Schwer auszuhalten.

Wir sind es nicht gewohnt. Doch – und vielleicht gerade - in der Stille wirkt Gott.

Bevor Diakon Julian ein Dankgebet spricht, lädt er die Versammelten ein, zu einem aufgestellten Kreuz zu kommen, zu verweilen und die eigenen Gedanken, Wünsche, Sorgen oder Emotionen auf die ausliegenden Zettelchen zu schreiben und an das Kreuz zu heften. Ein bewegender Augenblick!

Wir danken unseren jungen Geschwistern Josi, Fine, Nadine, Flori und Julian für dieses tiefe gemeinsame Erleben zu ungewohnter Stunde.