Osterbräuche haben sich im Laufe der Jahrhunderte viele verschiedene herausgebildet, nicht alle sind im christlichen Kontext zu sehen. Wir möchten euch heute mit der Vorstellung ein paar dieser Bräuche auf Ostern einstimmen.
Beginnen wir mit Deutschland, dort gehören das Eierauspusten und bemalen, bekleben oder auf andere Weise verzieren der Eier zu einem beliebten Ritual vor dem Osterfest. Die aufgehübschten Eier werden als Schmuck an frische grüne Zweige oder Weidenkätzchen gehängt. Eine besonders kunstvolle Tradition wird von den Sorben in der Niederlausitz (Brandenburg) gepflegt, dabei werden die Eier aufwändig mit Wachs bemalt.
Sehr beliebt ist auch das Eierfärben mit künstlichen oder natürlichen Farben. Für natürliche Farben werden dem Kochwasser Zwiebelschalen für braun zu färbende Eier, Rote Beete für rote Eier, Kurkuma für gelbe oder Spinat für grüne Eier zugesetzt. Besonders kräftige Farben werden mit künstlichen Farben, die es als Tabletten oder Pulver zu kaufen gibt, erzielt. Die schön gefärbten Eier landen am Ostermorgen auf dem Frühstückstisch oder werden für die Kinder vom „Osterhasen“ versteckt. Besonders die kleinen Kinder freuen sich auf die Eiersuche in Haus, Garten oder bei einem Spaziergang. Mit Eifer werden die Eier, Schokohasen und andere versteckte Süßigkeiten in kleinen Körbchen gesammelt. Viele Eltern und Großeltern verstecken auch kleine Osternester in denen sich neben Ostereiern auch kleine Geschenke befinden. In manchen Städten Deutschlands ist es Brauch, öffentliches Eiersuchen in Parks zu veranstalten.
Beliebt sind auch Wettbewerbe mit den hart gekochten Eiern. Beim Eiertrudeln am Hang gewinnt derjenige dessen Ei am Weitesten kommt, beim Eierklopfen (pecken, titschen) derjenige dessen Ei nicht zu Bruch geht.
Irgendwann hat eine Familie in Saalfeld begonnen und eine große Anzahl Ostereier in einen Baum gehängt und damit die Tradition des Osterbaumes initiiert. Alljährlich kann zu Ostern ein von der Stadt mit 10.000 Eiern geschmückter Baum bewundert werden.
Ein aus der Fränkischen Schweiz stammender Brauch ist das Schmücken des Dorfbrunnens mit bemalten Ostereiern und anderen Verzierungen. Die Anordnung der Ostereier erfolgt meist in Form einer Krone und wird deshalb als Osterkrone oder Osterbrunnen bezeichnet.
Aber warum gerade Eier? Symbolisch steht das Ei für neues Leben und in christlicher Tradierung für Auferstehung. Ähnlich verhält es sich mit der Herkunft des Osterhasen. In vielen Kulturen galt der Hase, weil er sich schnell vermehrt, als Symbol der Fruchtbarkeit. Ein deutscher Arzt soll die Figur des Osterhasen erstmals im 17. Jahrhundert in seiner Doktorarbeit erwähnt haben. Die Tradition des Osterhasen verbreitete sich durch deutsche Auswandererinnen und Auswanderer und wurde schließlich weltweit zum Symbol des Osterfestes. Abgesehen von Australien, dort werden Hasen nicht so gern gesehen, weil sie die heimischen Wildtiere verdrängen. Dort bringt stattdessen der einheimische Bilby (ein Kaninchennasenbeutler) die Ostereier.
Ein weiters Symbol ist das Osterlamm, es steht für Reinheit, Unschuld und das Opfer von Jesus Christus. An Ostern wird es häufig in Form von Gebäck oder Braten serviert und soll an die Auferstehung erinnern. Als süßer Kuchen in Form eines Lammes, der oft mit Puderzucker bestäubt ist, wird er zum Frühstück serviert. Für viele Familien gehört auch ein Lammbraten zum Osterfest dazu. Das Lamm-Gericht hat seinen Ursprung in der jüdischen Pessach-Tradition.
Osterfeuer sind fast überall in Deutschland Tradition. Ursprünglich ein heidnischer Brauch zur Wiederkehr der Natur wurde er vom Christentum übernommen und für das Licht von Jesus Christus, dass die Dunkelheit des Todes überwindet, umgedeutet. Vor allem in ländlichen Regionen kommen die Menschen am Karfreitag zusammen um bei Einbruch der Dunkelheit das Feuer zu entzünden. Es ist ein geselliges Gemeinschaftserlebnis an dem viele Vereine, Feuerwehren und Kirchengemeinden teilhaben.
In Nordrhein-Westfalen werden riesige Räder aus Eichenholz mit Stroh gefüllt. Sobald es dunkel ist, wird das Stroh angezündet und die brennenden Osterräder ins Tal hinabgerollt. Damit soll der Frühling begrüßt werden.
Die Osterkerze steht in der christlichen Tradition für das Licht von Jesus Christus. Sie wird in der Osternacht, am Osterfeuer oder an Ostersonntag im Gottesdienst entzündet. Traditionell ist sie mit christlichen Symbolen (Kreuz, Alpha und Omega) und der Jahreszahl verziert. Die Osterkerze bleibt ein Jahr lang stehen als Zeichen der Hoffnung und des Lebens. Die Kerze brennt an allen Gottesdiensten von Ostern bis Christi Himmelfahrt und zu besonderen Anlässen (Taufe, Hochzeit).
Das Osterreiten ist ein sorbischer Brauch. Dabei reiten Männer auf festlich geschmückten Pferden durch die Dörfer der katholischen Region der Oberlausitz (Sachsen) und verkünden die frohe Botschaft von der Auferstehung Jesu.
In vielen Ländern bleiben die Kirchenglocken von Gründonnerstag bis Karsamstag stumm. Es wird erzählt, dass die Glocken nach Rom reisen um den Papst zu besuchen. Pünktlich zum Ostersonntag kehren sie aber zurück und bringen als Souvenir die Ostereier mit.
Andere Länder - andere Sitten
In Irland gibt es zum Beispiel das sogenannte Heringsbegräbnis. Seinen Ursprung hat es im Beenden der Fastenzeit. Nach christlicher Tradition darf in der Fastenzeit kein Fleisch gegessen werden, höchstens Fisch. An Ostern darf endlich wieder Fleisch auf den Tisch. Die Freude darüber ist bei den Iren so groß, dass der Fisch zu Grabe getragen wird.
In Polen feiert man Ostern mit einer Wasserschlacht. Zum Osterspaziergang am Ostermontag ist man gut mit Schirm oder Regenjacke unterwegs. Egal, ob mit Spritzpistole oder Wassereimer wird jeder so nass wie möglich gemacht. Angeblich geht dieser Brauch auf das Jahr 966 zurück, in dem der damalige polnische Herrscher sich taufen und damit die Polen zum Christentum bekehren ließ. An Ostern gibt es nun eine Taufe der besonderen Art.
In den USA ist eine der populärsten Ostertradition Chefsache. Jedes Jahr am Ostermontag wird für Kinder ein Event veranstaltet – das White House Easter Egg Roll. In der aus dem 19. Jahrhundert begründeten Tradition befördern die Kinder hart gekochte Eier mit einem Löffel über den Rasen am Weißen Haus.
Auf den Bermuda-Inseln im Atlantik ist der Karfreitag ein fröhlicher Tag. Viele selbstgebastelte Drachen – die Bermuda Kites – steigen an diesem Tag in den Himmel. Ein Symbol für die Auferstehung Jesu. Meist sind die Drachen aus buntem Papier gebastelt und haben eine achteckige Form.
Es gibt der Traditionen und Bräuche noch viele, viele mehr. Mir persönlich sind die Gottesdienste am Karfreitag und Ostersonntag, sowie das Zusammensein mit der Familie die Wertvollsten. Wie ist es bei Euch?
Neuapostolische Kirche